Ansprache von Bürgermeister Ulrich Berger auf der Gründungsversammlung

Bürgermeister Ulrich Berger begrüßte die Anwesenden bei der Gründung des Freundeskreises der Franziskanerinnen Salzkotten. Foto: Michael Bodin / fcjm-presse

Liebe Schwester Angela,

liebe Schwestern der Kongregation der Franziskanerinnen,

liebe Freundinnen und Freunde der Franziskanerinnen,

„Geborgen im Glauben – nah bei den Menschen.“

Dieser Leitspruch der Franziskanerinnen in Salzkotten bringt für mich auf wunderbare Weise zum Ausdruck, was diese Gemeinschaft seit Generationen auszeichnet: den Glauben als Fundament und die Menschen als Mittelpunkt des eigenen Handelns.

Und genau deshalb freue ich mich sehr, heute so viele Menschen hier zu sehen. Denn heute gründen wir nicht einfach einen weiteren Verein. Wir setzen ein Zeichen der Verbundenheit. Ein Zeichen der Dankbarkeit. Und ein Zeichen dafür, dass uns die Zukunft der Franziskanerinnen und ihr Wirken für unsere Stadtgesellschaft am Herzen liegen.

Wenn wir über die Franziskanerinnen sprechen, dann sprechen wir über eine Gemeinschaft, die seit mehr als 160 Jahren eng mit Salzkotten verbunden ist.

Über Frauen, die sich den Menschen zugewandt haben. Die Verantwortung übernommen haben. Die geholfen, begleitet, getröstet und Hoffnung gegeben haben.

Die Franziskanerinnen haben unserer Stadtgesellschaft über viele Jahrzehnte so viel gegeben. Sie haben nicht nur ihren Glauben gelebt, sondern sich immer wieder gefragt: Was ist die Not der Zeit?

Und sie haben auf diese Frage Antworten gesucht – in ihrer täglichen Arbeit, in sozialen Angeboten, in der Begleitung von Menschen und in der Gestaltung von Gemeinschaft.

Viele von uns verbinden ganz persönliche Erinnerungen mit den Schwestern und dem Kloster. Für manche ist es ein Ort des Glaubens, für andere ein Ort der Begegnung, der Hilfe oder der Orientierung.

Das Kloster gehört zu Salzkotten. Und die Franziskanerinnen gehören zu unserer Stadt.

Deshalb ist es an der Zeit, ihnen auch etwas zurückzugeben.

Nicht aus einer Verpflichtung heraus, sondern aus echter Wertschätzung und Dankbarkeit für das, was über Generationen gewachsen ist.

Wir wissen, dass die Rahmenbedingungen für die Ordensgemeinschaft nicht einfacher geworden sind. Die Schwestern werden älter, die Gemeinschaft wird kleiner. Das sind Herausforderungen, die niemand von uns ausblenden kann.

Aber was mich persönlich beeindruckt, ist der Umgang der Franziskanerinnen mit dieser Situation.

Hier wird nicht der Kopf in den Sand gesteckt. Hier wird nach vorne geschaut.

Die Schwestern stellen sich den Veränderungen, ohne ihre Wurzeln aufzugeben. Sie bewahren, was ihnen wichtig ist, und entwickeln gleichzeitig neue Ideen für die Zukunft.

Und wenn man sich hier auf dem Klostergrund umschaut, dann spürt man diese Aufbruchsstimmung.

Das Geistliche Zentrum Franziskus ist ein wunderbares Beispiel dafür. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, Orientierung suchen, ihren Glauben vertiefen oder einfach Gemeinschaft erleben können.

Ein offener Ort, der nicht fragt, woher jemand kommt, sondern der Menschen willkommen heißt.

Dazu kommen weitere Entwicklungen auf dem Klostergrund, die weit über Salzkotten hinaus Beachtung finden. Ein Kindergarten, das Tau Haus und die Projekte, die derzeit entstehen, zeigen, wie aus einem Klostergelände ein lebendiger Ort für unterschiedliche Generationen und Lebenssituationen werden kann.

Das ist nicht nur eine Entwicklung von Gebäuden und Grundstücken. Das ist eine Entwicklung von Gemeinschaft.

Und ich finde, darauf dürfen wir als Stadt Salzkotten stolz sein.

Und genau hier setzt der Freundeskreis an.

Wir wollen die Franziskanerinnen begleiten, unterstützen und ihnen zeigen: Ihr seid nicht allein. Es gibt Menschen, die sich mit Euch verbunden fühlen und die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Dabei geht es selbstverständlich auch um finanzielle Unterstützung. Aber ich glaube, dass wir den Freundeskreis nicht darauf reduzieren dürfen.

Es geht um Zeit. Um praktische Hilfe. Um Ideen. Um Begegnungen.

Vielleicht braucht es jemanden, der bei einer Veranstaltung mit anpackt. Jemanden, der einen Fahrdienst übernimmt. Jemanden, der im Garten hilft oder bei einem Angebot im Geistlichen Zentrum unterstützt.

Vielleicht hat jemand eine Idee für ein neues Projekt. Oder einfach Zeit, einem Menschen zuzuhören.

Manchmal ist es gerade die kleine Hilfe, die für einen anderen Menschen einen großen Unterschied macht.

Und deshalb wünsche ich mir, dass dieser Freundeskreis Menschen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringt. Menschen, die sich den Werten der Franziskanerinnen verbunden fühlen – unabhängig davon, ob sie katholisch sind, einer anderen Religion angehören oder keiner Religionsgemeinschaft angehören.

Denn die Werte, um die es geht, sind universell: Menschlichkeit, Nächstenliebe, Respekt und die Bereitschaft, füreinander da zu sein.

Und das passt wunderbar zu dem alten Wahlspruch der Sälzer: „Unita durant – Gemeinsam sind wir stark“

Ein Anliegen, das Schwester Angela und ihren Mitschwestern sehr am Herzen liegt, ist in der heutigen Zeit besonders wichtig: der Kampf gegen die Einsamkeit.

Einsamkeit betrifft nicht nur ältere Menschen. Auch junge Menschen können sich einsam fühlen. Auch in einer Zeit, in der wir digital ständig miteinander verbunden sind.

Umso wichtiger sind Orte, an denen Menschen wirklich zusammenkommen. Orte, an denen man sich gesehen und angenommen fühlt. Orte, an denen Gemeinschaft nicht nur ein Wort ist, sondern erlebt wird.

Das Geistliche Zentrum Franziskus bietet dafür große Chancen.

Und ich bin überzeugt: Wenn wir unsere Kräfte bündeln, wenn wir Ideen zusammenbringen und wenn Menschen bereit sind, sich einzubringen, dann können hier noch viele wertvolle Angebote entstehen.

Angebote, die Menschen in Salzkotten helfen. Aber vielleicht auch Menschen weit über unsere Stadtgrenzen hinaus erreichen.

Liebe Schwestern, liebe Gäste,

ich möchte heute vor allem eines sagen: Danke.

Danke für das, was die Franziskanerinnen seit Generationen für Salzkotten und die Menschen in unserer Region leisten.

Danke für den Mut, in einer Zeit großer Veränderungen neue Wege zu gehen.

Und danke für die Offenheit, mit der Sie den Gedanken eines Freundeskreises aufgenommen haben.

Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit Manfred Müller, Annette Stracke, Heinz Sonntag, Reinhard Kamp und Klaus Schröder diesen Weg vorbereiten durften. Danke an Sr. Angela, Andreas Cramer und Martin Beisler, die uns begleitet und unterstützt haben. Und Danke auch an Frank d’Alquen, der uns als Notar in den rechtlichen Fragestellungen der Vereinsgründung beraten hat.

Aber die eigentliche Stärke dieses Vereins wird sich erst zeigen, wenn viele weitere Menschen dazukommen.

Menschen, die sagen: Ich möchte mich einbringen.

Menschen, die sagen: Die Arbeit der Franziskanerinnen ist mir wichtig.

Menschen, die sagen: Ich möchte dazu beitragen, dass diese Gemeinschaft auch in Zukunft nah bei den Menschen sein kann.

Der heutige Abend soll deshalb nicht das Ende einer Vorbereitung sein, sondern der Beginn eines gemeinsamen Aufbruchs.

Ein Aufbruch, die die Franziskanerinnen stärkt, die Begegnung ermöglicht und die Werte franziskanischen Lebens in unsere Gesellschaft trägt.

Der Leitspruch „Geborgen im Glauben – nah bei den Menschen“ ist nicht nur ein schöner Satz. Er ist ein Anspruch und eine Haltung, die Sie über viele Jahrzehnte mit Leben gefüllt haben.

Ich wünsche mir, dass der Freundeskreis dazu beiträgt, diese Haltung auch in Zukunft lebendig zu halten.

Dass Menschen füreinander da sind. Dass Jung und Alt zusammenkommen. Dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Und dass die Franziskanerinnen spüren, wie groß die Verbundenheit mit ihnen ist.

Salzkotten braucht die Franziskanerinnen. Und die Franziskanerinnen dürfen wissen: Salzkotten steht an ihrer Seite.

In diesem Sinne wünsche ich unserem Freundeskreis einen guten Start, viele engagierte Mitglieder, kreative Ideen und vor allem Freude an dem, was wir gemeinsam bewegen können.

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und auf viele Begegnungen, die aus diesem Freundeskreis entstehen werden.

Herzlichen Dank!